Heimspiel - Das Sportmagazin
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TSG 1899 Hoffenheim

 

 

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Hoffenheim beendete mit einem hochverdienten 3:1 in Nürnberg seine Durststrecke. Der Club, nur in der Anfangsphase auf Augenhöhe, nutzte einen Elfmeter zur Führung, ehe sich vor der Pause vor allem Mathenia dem Dauerdruck der Gäste entgegenstemmte. Nach Wiederanpfiff belohnte sich die spielstarke TSG schnell für fortwährenden Einbahnstraßenfußball, drehte das Spiel und geriet nicht mehr in Gefahr.

FCN-Coach Michael Köllner hatte nach der 0:6-Schlappe in Leipzig ein Trio neu an Bord: Für Bredlow stand erstmals Mathenia zwischen den Pfosten, dazu wurden Leibold (Gelb-Rot-Sperre) sowie Kubo durch Bauer und Palacios ersetzt.

 

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann drehte nach der 1:2-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt gleich sechsmal am Personalkarussell: Für Akpoguma, Posch, Brenet, Bittencourt, Belfodil und Szalai kamen Bicakcic, Adams, Kaderabek, Nelson, Joelinton und Kramaric zum Zug.

Vermeintlich hatte der Club gleich eine Topchance - Ishak, der sich unmittelbar danach behandeln lassen musste, schoss frei vor Baumann daneben, doch längst war Abseits entschieden (2.). Der Auftakt zu einer temporeichen Anfangsphase, zu der auch Hoffenheim mit offensiver Ausrichtung beitrug, ohne dass daraus zunächst Torchancen resultieren sollten.

Nach zehn Minuten war Behrens nach Luftduell mit Adams wegen einer Platzwunde angeschlagen, sollte aber im Gegensatz zum TSG-Verteidiger wenig später den Durchblick behalten. Doch der Reihe nach: Erst glänzte Mathenia erstmals nach fatalem Fehlpass von Ishak mit mutigem Zweikampf gegen Kaderabek (13.) - und war wenig später auch noch Wegbereiter der Club-Führung, als sich nach langem Abschlag Adams zu einem stümperhaften Schubser gegen Misidjan hinreißen ließ: Elfmeter, den Behrens sicher verwandelte (18.).

 

 

1899 reagierte mit verstärktem Offensivgeist gegen einen FCN, der zwar bissig dagegenhielt und bei dem sich die Außenverteidiger meist auf ihren Defensivpart beschränkten. Dennoch sollte es ein wahres Chancenfestival für 1899 geben, bei dem Mathenia immer mehr in den Fokus rückte. Der Keeper schwang sich nicht nur im Privatduell mit Kramaric (23., 25., 31.) zu einer überragenden Vorstellung auf, sondern gegen spielstarke, immer wieder durchs Zentrum Lücken suchende Gäste auch gegen Bicakcic (28., 45.+5) und Kaderabek (37.).

 

Für die Franken setzte lediglich Ishak kurz vor seiner Auswechslung einen gefährlichen Nadelstich (35.) - für den Schweden ging es nicht mehr weiter, Knöll kam (41.). Das wenig kompakte Nürnberg sehnte im Hoffenheimer Dauerdruck die Pause herbei. Nach sieben Minuten Nachspielzeit wegen diverser Behandlungspausen ging es in die Kabine.

Nagelsmann brachte mit Wiederanpfiff Szalai für Grillitsch. Es ging weiter mit Einbahnstraßenfußball Richtung Nürnberger Tor - bald mit Folgen: Kaderabek war rechts im Sechzehner frei. Zu frei, der Verteidiger nutzte dies zur genauen Hereingabe auf Nelson, gegen dessen Volleyschuss aus acht Metern sich Mathenia vergeblich streckte (50.).

Für die Franken gab es kaum Entlastung, die beweglichen Kraichgauer schraubten ihre Ballbesitzquote auf über 70 Prozent. Diese Ballkontrolle gepaart mit Kombinationssicherheit führte schließlich zum 2:1: Kaderabek spielte zu Demirbay, der direkt auf Nelson weiterleitete. Und der Youngster schnürte mit gutem Abschluss aus fünf Metern hoch ins kurze Eck den Doppelpack (57.).

 

Vom FCN kam keine Reaktion. Die TSG ließ nicht locker, nutzte zu große Abstände im Deckungsverbund der Hausherren zum 3:1 durch Szalai, der eine Maßflanke Kaderabeks einnickte (67.).

Gegen sichtlich erschöpfte Nürnberger verpasste Hoffenheim einen höheren Sieg (Demirbay, 71., Szalai, 75., Joelinton, 76.). Der Aufsteiger hatte wie aus dem Nichts die Chance, noch einmal heranzuschnuppern, aber Knöll scheiterte an Baumann (86.). So blieben der Nagelsmann-Elf spannende Schlussminuten erspart - es blieb beim 3:1 für 1899, das damit seine Durststrecke nach drei Pflichtspielniederlagen beendete.

Die TSG 1899 Hoffenheim hat sich im ersten Champions-League-Heimspiel der Geschichte stark angestellt - und dem Favoriten Manchester City lange Zeit getrotzt und vor Rätsel gestellt. Doch ein später individueller Fehler machte dem beinahe erreichten Punktgewinn einen Strich durch die Rechnung (1:2).

 

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann hatte zunächst vor diesem ersten Champions-League-Heimspiel einen nächsten Dämpfer hinnehmen müssen: Als wären die vielen Verletzten nicht schon genug gewesen, mussten kurzfristig auch noch Zuber (Rücken) und Schulz (Oberschenkel) passen. Das führte unter anderem dazu, dass der erst 18-jährige Amade in den Kader rutschte - und das, nachdem dieser erst noch beim 5:2 wenige Stunden zuvor in der Youth League gegen Manchester City eine Halbzeit gespielt hatte. Die Mannschaft war dennoch schlagkräftig - im Vergleich zum 1:2 gegen RB Leipzig gab es drei Wechsel: Brenet, Demirbay und Joelinton starteten anstelle von Schulz, Bittencourt und Kramaric.

ManCity-Trainer Pep Guardiola, der nach seiner Innenraumsperre wieder an der Seitenlinie stand und mit der Bürde von vier in Folge verlorenen CL-Partien in dieses Gastspiel ging (zuletzt am 1. Spieltag 1:2 gegen Lyon), tauschte indes nach dem 2:0 über Brighton and Hove nur zweimal Personal aus: Der ehemalige Hamburger Kompany und der frühere Dortmunder Gündogan durften für Zinchenko und Bernardo Silva ran. Damit war auch klar: Der Ex-Schalker Sané war im Angriff neben Sterling und Aguero erneut mit von der Partie.

 

Von Angriff der Skyblues war aber in den ersten Spielzügen nichts zu sehen - vielmehr schockten die Kraichgauer den turmhohen Favoriten bereits nach knapp 45 Sekunden: Nach einem Steilpass von Demirbay zeigte sich die City-Hintermannschaft um einen falsch stehenden Otamendi ungeordnet, sodass Belfodil frei durch war und cool vor Keeper Ederson zum 1:0 einschob (1.).

 

 

Das Bittere dabei: Der Gegentreffer stachelte die Citizens etwas an, was bereits in der 8. Minute zum 1:1-Ausgleich führte. David Silva steckte herrlich links in den Strafraum zu Sané - und der deutsche Nationalspieler fand unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw auch mit etwas Glück den humorlos vollstreckenden Aguero.

 

In der Folge dominierte Manchester City das Spiel dann mit reichlich Ballbesitz sowie einigen brandgefärhlichen Tempodribblings. Außerdem sprangen auch Top-Möglichkeiten aufs 2:1 heraus, doch Sterling frei vor Baumann (16.) und Sané wie Aguero in Zusammenarbeit (33.) sowie Aguero allein mit einem Abschluss (35.) vollstreckten nicht. Dennoch musste auch notiert werden: Die TSG wehrte sich nach Kräften, zeigte Lauffreude pur, warf sich in entscheidende Zweikämpfe und kam zum Beispiel durch einige gefährliche Nadelstiche selbst vors Tor (Belfodil, 39.). Das 1:1 ging deswegen in Teilen in Ordnung und sorgte dafür, dass es reichlich Applaus von den Rängen setzte.

 

 

Wer nun gedacht hatte, ManCity würde nach der Pause gewaltig aufdrehen, der lag falsch: Denn Hoffenheim agierte weiterhin defensiv sicher und setzte nach vorn durchaus gefährliche Nadelstiche. So hatte zum Beispiel Joker Kramaric eine Großchance (59.), während auf der anderen Seite lediglich David Silva (51.) und Fernandinho (59.) für ein klein wenig Gefahr sorgten.

Weiter ging's mit zwei brenzligen Situationen, in denen Schiedsrichter Damir Skomina wie folgt entschied: Nach einem rüden Foul nach eingesprungener Frontal-Grätsche von Walker an Kaderabek gab es nur Gelb (66.), hier hätte es allerdings Rot geben müssen. Und nach einem leichten Kontakt von Baumann am vorbeisprintenden Sané, der in vollem Tempo im Anschluss zu Boden sank, gab es indes keinen Elfmeter (73.). Eine hier aber vertretbare Entscheidung, wenngleich das nicht allen City-Profis gefiel.

Als in den letzten Spielminuten das gesamte Stadion die Mannschaft nochmals anfeuerte und auch Posch die eigenen Fans nochmals motivierte, unterlief eben jenem 21-Jährigen ein kapitaler Fehler. Diesen nutzten die Gäste aus England eiskalt: Posch köpfte eine Flanke von der linken Seite nicht weg, sondern wollte den Ball im eigenen Strafraum stoppen. David Silva bedankte sich, nahm die Kugel auf und traf aus kurzer Distanz zum am Ende doch etwas glücklichen 2:1 für die Skyblues (87.) - die damit nach vier verlorenen CL-Spielen in Serie wieder mal einen Sieg einfuhren und arg enttäuschte Kraichgauer zurückließen.

 

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© Rosemarie Brenner